„Die Senioren“ gibt es nicht: Warum wir Mobilität im Alter differenziert betrachten müssen
12 Mar 2026
In Mobilitätsdebatten wird häufig pauschal von „den Senioren“ gesprochen. Gemeint ist meist die Altersgruppe 65+, die als homogene Zielgruppe betrachtet wird: wenig mobil, stark auf Barrierefreiheit angewiesen, überwiegend autofahrend oder zunehmend eingeschränkt. Dieses Bild greift jedoch zu kurz. Denn die Altersgruppe ab 65 Jahren vereint Menschen in sehr unterschiedlichen Lebens- und Mobilitätsphasen, die bei der Planung von Mobilitätsangeboten berücksichtigt werden müssen.
Wege werden kürzer – aber nicht weniger wichtig
Ein Blick in die aktuellen Daten der Umfrage Mobilität in Deutschland (MiD) zeigt deutlich: Mit dem Übergang vom jüngeren Ruhestandsalter zur Gruppe der über 70-Jährigen verändert sich das Mobilitätsverhalten spürbar. Das zeigt sich zum Beispiel bei Wegestrecken, die mit zunehmendem Alter immer kürzer werden. Während bei den 65-74-Jährigen noch größere Distanzen üblich sind, dominieren bei den über 70-Jährigen Strecken unter fünf Kilometern. Bei Hochbetagten (Menschen ab 85 Jahren) beschränkt sich die Mobilität fast ausschließlich auf den Nahbereich. Der Aktionsradius verkleinert sich, Wege werden wohnortnäher und Alltagsaktivitäten konzentrieren sich stärker auf das direkte Umfeld.
Alt heißt nicht gleich inaktiv
Auch die Mobilitätsquote (bei MiD der Anteil der Personen, die am Tag der Befragung außer Haus unterwegs waren) unterscheidet sich zwischen den Altersgruppen. Bei jüngeren Senior*innen bis 74 Jahren liegt sie bei 78 % und damit nur geringfügig unter dem Bevölkerungsdurchschnitt. Ältere Senior*innen bis 84 Jahre sind bereits deutlich weniger mobil (72 %), und hochbetagte Personen ab 85 Jahren erreichen nur noch eine Mobilitätsquote von 56 %.
Verkehrsmittelwahl: Verschiebung statt Verzicht
Unterschiede zeigen sich zudem bei der Wahl der Verkehrsmittel. Zwar dominiert in allen Gruppen weiterhin der motorisierte Individualverkehr, doch bei den über 70-Jährigen ist der Anteil bereits geringer. Gleichzeitig steigt der Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wege sowie die Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Die Fahrradnutzung nimmt hingegen mit zunehmendem Alter ab. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Zugang zu Mobilitätsressourcen. Mit steigendem Alter sinkt die Autoverfügbarkeit deutlich. Besonders bei den über 80-Jährigen reduziert sich der Anteil der Personen, die in einem Haushalt mit Auto leben, auf etwa 35 %. Zum Vergleich: Über 90 % der 30- bis 60- Jährigen verfügen über einen Zugang zu einem Pkw.
Mobilität und Geschlecht
Neben den unterschiedlichen Altersgruppen hat auch das Geschlecht Einfluss auf das Mobilitätsverhalten. Seniorinnen legen täglich kürzere Strecken zurück und sind dabei häufiger zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV im direkten Wohnumfeld unterwegs. Außerdem haben sie insbesondere im höheren Alter ab 80 Jahren mit 66 % deutlich seltener einen Pkw-Führerschein als Männer, deren Quote bei 91 % liegt.
Bedeutung für die Planung
Mobilität im Alter ist vielfältig und verändert sich zunehmend. Zwischen jüngeren, aktiven Senior*innen, älteren Senior*innen mit eingeschränktem Aktivitätsradius und Hochbetagten bestehen große Unterschiede, sowohl in der Mobilitätsquote als auch bei Wegelänge, Zweck und Zugang zu Mobilitätsressourcen. Für die Planung bedeutet das: Mobilität im Alter darf nicht einheitlich betrachtet werden, sondern benötigt differenzierte Angebote. Dazu gehören sowohl vielfältige, flexible (Mobilitäts-)Angebote, die die Selbstständigkeit fördern als auch eine wohnortnahe Versorgung mit kurzen Wegen, barrierefreie Gestaltung von Haltestellen und öffentlichen Räumen oder auch sichere, gut beleuchtete und übersichtliche Fußwege.